ÜBER ÖKOPROFIT RHEIN-MAIN

20. Dezember 2015


ÖKOPROFIT im Rhein-Main-Gebiet – ein vielfältiges Netzwerkprojekt

Den Energie- und Ressourcenverbrauch senken, Kosten reduzieren und mit der ganzen Belegschaft ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen – was manchem einer Quadratur des Kreises gleichkommt, für die Teilnehmer am ÖKOPROFIT-Projekt gehört dies zum betrieblichen Alltag. An den Standorten Frankfurt am Main, Wiesbaden und dem Hochtaunuskreis haben seit Projektstart zusammen genommen nahezu 240 Betriebe an ÖKOPROFIT teilgenommen und ihre Umweltbilanz verbessert. Nach groben Schätzungen flossen bei den beteiligten Betrieben 57 Millionen Kilowattstunden Strom weniger durch die Leitungen, was einen um 175.000 Tonnen geringeren Kohlendioxid-Ausstoß entspricht und die Ausgaben der Betriebe um etwa 25 Millionen Euro reduziert. Zahlen, die sich sehen lassen können und die von den teilnehmenden Unternehmen kontinuierlich fortgeschrieben werden.

In Wiesbaden startete die erste ÖKOPROFIT-Projektrunde bereits im Jahre 2000, damit ist die Landeshauptstadt Vorreiter im Rhein-Main-Gebiet. Seit der Einführung von ÖKOPROFIT haben in der Landeshauptstadt 113 Betriebe am Projekt teilgenommen und mit einer Vielfalt von Entscheidungen den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit in ihren Betriebsabläufen ein größeres Gewicht gegeben.

Umweltmaßnahmen sind die Kernpunkte

Müll vermeiden und Ressourcen einsparen steht beispielhaft im Vordergrund eines Vorhabens der Sozialkasse des Baugewerbes. Die SOKA-BAU in Wiesbaden hatte beschlossen, als Schwerpunkt die Pappbecher durch Porzellantassen zu ersetzen. Damit ließ sich der Verbrauch um etwa 50.000 Pappbecher reduzieren. Ein Vorhaben, das in Wiesbaden im Einsteigerprojekt durch die Unternehmen zur besten Maßnahme 2017 erkoren wurde.

Auch andere Betriebe in der Landeshauptstadt setzen auf ÖKOPROFIT. So rüsteten die Asklepios Paulinen Klinik und die Feuerwehr Wiesbaden ihre Beleuchtung auf LED-Technik um, schafften die BauHaus Werkstätten GmbH als umweltfreundliches Mobilitätsangebot für Mitarbeiter E-Bikes an oder installierte die Firma Horst Schreiner Elektroanlagen eine Photovoltaikanlage auf dem Firmendach.

Eine Bilanz von ÖKOPROFIT wird vom Wiesbadener Umweltamt zum Abschluss jeder Projektrunde gezogen. Zum Abschluss werden dann die „Wiesbadener ÖKOPROFIT-Betriebe“ ausgezeichnet. Diese Unternehmen, ob nun drei-Mann-Werkstatt oder Großbetrieb, ob erfahrener Ökoprofit-Betrieb oder ein Einsteigerbetrieb wie die SOKA-BAU tragen ihren Teil zur beachtlichen Bilanz bei: In den bisherigen Projektrunden sank der Stromverbrauch der Betriebe um 35 Millionen Kilowattstunden, sparten die Betriebe 18 Millionen Euro Energiekosten ein und verringerte sich damit der CO2-Ausstoß um 125.000 Tonnen.

Kontinuierlicher Erfahrungsaustausch

Im Hochtaunuskreis ist ÖKOPROFIT aktuell ein Gemeinschaftsvorhaben der Städte Bad Homburg v.d.Höhe, Friedrichsdorf und Oberursel. Seit 2004 sind interessierte Betriebe mit dem Ziel dabei, ein Umweltmanagementansatz bei gleichzeitiger Kosteneinsparung einzuführen. 50 Betriebe haben bisher das Einsteigerprojekt durchlaufen und sich einiges an Tipps geben lassen. Für gegenwärtig 17 Unternehmen ist mit dem Erhalt des Zertifikates noch nicht Schluss: Sie sind Mitglieder im ÖKOPROFIT-Klub, wo sie ihre Erfahrungen einbringen und sich im Netzwerk mit anderen Betrieben langfristig austauschen.

Ein Betrieb, der bereits seit einigen Jahren die Energiekosten senkt, ist beispielsweise das Autohaus Weil in Friedrichsdorf. Dafür hat der Betrieb bereits einiges an Geld in die Hand genommen. Für etwa 30.000 Euro rüstete das Autohaus vor gut zwei Jahren die Beleuchtung auf LED-Technik um. Eine Investition, die sich aufgrund des per anno um etwa 5.000 Euro gesenkten Stromverbrauches binnen weniger Jahre auszahlen wird. Doch mehr noch: Laut Firmenchef Gerald Weil sind auch die Mitarbeiter mit der neuen Beleuchtung zufrieden: „Die Lichtverteilung ist gleichmäßiger und die Helligkeit deutlich höher.“

Nach zehn Jahren ÖKOPROFIT im Hochtaunuskreis zog der Magistrat der Stadt Bad Homburg eine Bilanz mit eindrucksvollen Zahlen. Die Unternehmen, die sich bis dahin beteiligten, sparten durch betriebsinterne Änderungen 6,5 Millionen Kilowattstunden Strom und 2,4 Millionen Kilowattstunden Wärme ein. Der Wasserverbrauch sank um 41.000 Kubikmeter und die Müllmenge reduzierte sich um etwa 300 Tonnen. Die Zahlen fanden auch ihren Niederschlag in den Geschäftsbilanzen der 50 Betriebe: Sie geben etwa 1,4 Millionen Euro weniger für Energie und Ressourcen aus als zuvor. Aber auch der Beitrag zum Klimaschutz hat Gewicht: Nahezu 5.500 Tonnen CO2.

Umweltmaßnahmen zahlen sich aus

Dass viele kleine und große Schritte auch profitabel sind, erfuhren in Frankfurt am Main 26 Betriebe in der zuletzt bilanzierten ÖKOPROFIT-Projektrunde: Sie reduzierten ihre Kosten im Millionenbereich, vor allem, weil sie weniger Energie verbrauchten. Um mehr als 3 Millionen Kilowattstunden Strom konnte der Verbrauch der Betriebe reduziert werden. Aber auch fürs Heizen wurde deutlich weniger Erdgas und Fernwärme verbraucht. Zusammen genommen reduzierte sich der Verbrauch der Betriebe um 3,9 Millionen Kilowattstunden weist die Bilanz des Frankfurter Energiereferats aus. Damit sank die Belastung für die Umwelt wie auch für die Konten der Betriebe – und zwar um knapp 6,8 Millionen Kilogramm CO2 und etwas mehr als 928.000 Euro.

Überschaubare Kosten mit großem Ertrag, so lassen sich beispielsweise die ÖKOPROFIT-Bausteine für die VR Leasing Gruppe zusammenfassen. Am Firmensitz wurden im Jahr 2016 Multifunktionsgeräte eingesetzt und zugleich deren Anzahl um etwa 60 Prozent reduziert. Die Fachleute für Finanzierung stellen Kosten in Höhe von 4.500 Euro eine Ersparnis im sechsstelligen Bereich gegenüber, was vor allem durch die Qualität und Anzahl der Geräte begründet ist. Keine Kosten verursachte die Umstellung auf Ökostrom, die CO2-Bilanz weist seitdem ein Minus von knapp 840 Tonnen des klimaschädlichen Gases aus.

Dass mit kleineren Bausteinen auch ein stattlicher Betrag zusammenkommt, erfuhr das Künstlerhaus Mousonturm. Das 1988 gegründete Freie Produktionshaus spart mit neuen Gas- und Stromlieferverträgen jährlich etwa 13.000 Euro ein und entlastet die Umwelt aufgrund der Biogas- und Ökostrom-Anteile um mehr als 38 Tonnen CO2.

„Die Praxis zeigt immer wieder: Maßnahmen im Bereich Umweltschutz, Energiesparen oder Abfallvermeidung sind profitabel“, sagt Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Für sie geht es um mehr als technische Korrekturen in einzelnen Betrieben. „Die Teilnehmer werden zu Multiplikatoren für eine nachhaltige Stadt.“ Da gelte es für alle Aktive, am Ball zu bleiben und neue Teilnehmer zu gewinnen. Denn: „Nachhaltigkeit kann viel Schwung in ein Unternehmen bringen!“

 

ÖKOPROFIT

Das Wort ÖKOPROFIT steht für „Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelt-Technik“. Dabei kooperieren Kommunen und örtliche Wirtschaft mit dem Ziel, die Betriebskosten zu senken und dabei gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen. Anfang der 1990er Jahre wurde das Projekt von der Stadt Graz und dem Institut für Grundlagen der Verfahrenstechnik der Technischen Universität (TU) Graz entwickelt. 1998 folgte in München die Anpassung an den deutschen Markt. ÖKOPROFIT-Projekte werden bundesweit inzwischen in nahezu 100 Kommunen umgesetzt.

Projektverständnis

Freiwilligkeit und Eigeninitiative der Teilnehmer sind Voraussetzungen für die Teilnahme an ÖKOPROFIT. Im Blickpunkt steht die Verankerung des gemeinsamen Leitziels der Nachhaltigkeit mit drei Schwerpunkten:
Ökologie: Das Nutzen von Umwelttechnik und Reduzieren des Ressourcenverbrauchs.
Ökonomie: Das Senken der Betriebskosten bei gleichzeitigem Anwenden von innovativen Technologien.
Soziales: Der Erhalt oder das Schaffen von Arbeitsplätzen, die Motivation der Mitarbeiter und ein verbesserter Arbeitsschutz.

Projektbausteine

  • ÖKOPROFIT-Einsteigerprojekt: Es ist gesplittet nach Betriebsgröße. Für mittlere und große Betriebe bietet es meist in acht Workshops und vier Vor-Ort-Beratungen einen Einstieg ins Umweltmanagement an. Eine Projektrunde umfasst min. 8 Unternehmen.
  • ÖKOPROFIT-Klub: Er ist ein Netzwerk für Fortgeschrittene zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistungen. Der Klub umfasst zwischen vier und sechs Workshops und bis zu vier Vor-Ort-Beratungen und bietet die Rezertifizierung als ÖKOPROFIT-Betrieb. In Frankfurt am Main und Wiesbaden sind die ÖKOPROFIT-Klub Module zudem von der Bundesregierung als Energieeffizienz-Netzwerke anerkannt.

 

Vorteile von ÖKOPROFIT auf einen Blick

  • Projekt zur nachhaltigen Unternehmensführung
  • Energieeinsparung
  • CO2-Reduzierung
  • Ressourceneffizienz und Kostensenkung
  • Professionelle und individuelle Beratung mit hohem Praxisbezug
  • Imagegewinn und Wettbewerbsvorteile durch Auszeichnung als ÖKOPROFIT-Betrieb
  • Geeignet für Betriebe aller Branchen und Größen
  • Einstieg ins betriebliche Umwelt- und Energiemanagement
  • Verringerung von Abfall, Verbräuchen und Emissionen
  • Steigerung des Umweltbewusstseins der Mitarbeiter
  • Austausch in einem lokalen Netzwerk mit gleichgesinnten Unternehmen
  • Kooperation von Betrieben und Kommunen
  • Rechtssicherheit im Bereich der Umweltgesetzgebung

 

Links zu den Projektträgern:

ÖKOPROFIT Wiesbaden

ÖKOPROFIT Frankfurt am Main

ÖKOPROFIT Hochtaunus (Bad Homburg v.d.Höhe, Friedrichsdorf, Oberursel (Taunus))

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